In diesen Zeiten entdecke ich gerade wieder, was ich früher viel öfter tat: Aus Büchern, die ich gelesen habe, Passagen abzuschreiben, die mich ansprachen. Anfang März las ich „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood. Heute tippte ich diesen Text ab:
„Mir bleibt noch etwas Zeit. Das gehört zu den Dingen, auf die ich nicht vorbereitet war – die viele unausgefüllte Zeit, die langen Pausen, in denen nichts geschieht. Zeit als weißes Rauschen. Wenn ich nur sticken könnte. Weben, knüpfen, irgendetwas mit den Händen tun. Ich sehne mich nach einer Zigarette. Ich erinnere mich daran, daß ich einst durch Gemäldegalerien ging, durch das neunzehnte Jahrhundert: wie besessen sie damals von Harems waren. Dutzende von Haremsgemälden, dicke Frauen, die sich auf Diwanen räkelten, mit Turbanen auf dem Kopf oder Samtkappen; sie wurden mit Pfauenfedern gefächelt, während ein Eunuch im Hintergrund Wache stand. Studien sitzenden Fleisches, von Männern gemalt, die nie im Orient gewesen waren. Solche Bilder galten als erotisch, und ich dachte damals auch, daß sie es seien; doch jetzt verstehe ich, worum es auf diesen Bildern wirklich ging. Es waren Gemälde über das aufgeschobene Leben, über das Warten, über Gegenstände, die nicht in Gebrauch waren. Es waren Gemälde über Langeweile.
Sicher geht es Atwood auch um die auch heute noch aktuelle Diskussion um das Verhältnis der Geschlechter. Doch so wie die Protagonistin in dem Roman, sind viele von uns in den Zeiten der Isolationen, auf uns selbst zurückgeworfen. Etwas, auf das wir nicht vorbereitet waren.

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