Heute meldet sich der Berliner Stadtrand-Paranoia-Anzeiger aus Rudow, am südlichen Stadtrand von Berlin. Wir besuchen Karl Nachtheimer (Name geändert), 51, der uns gerufen hat, um sein Problem publik zu machen, von dem er annimmt, dass es viele andere Bürger ebenso betrifft. In seinem Garten hat sich ein Störenfried angesiedelt, dem nicht beizukommen ist. Kaum haben wir uns mit Karl Nachtheimer in seinen Garten begeben, macht das Tier auch schon auf sich aufmerksam: ein hohes Piepen und tiefes Knurren.
„Es begann in der 16. Woche dieses Jahres, dieses Pfeifen und Piepen. Zunächst war es nur tagsüber zu hören. Ich habe mir nicht viel dabei gedacht. War ja kalt draußen“, berichtet Herr Nachtheimer atemlos. „Doch dann, am 27. April, bin ich um 03:50 Uhr davon wach geworden! Ich bin dann raus. Es kam aus der Koniferen-Hecke dort drüben. Es war furchtbar laut.“ Karl Nachtheimer spielt uns von seinem Handy eine Aufnahme des Krachs aus jener Nacht vor. Ein schlagendes Ziepen und Hämmern, das auf- und abschwellt. Das sei dann die ganze Nacht so weiter gegangen, weiß Karl Nachtheimer zu berichten. Es folgten weitere Nächte, in denen die Geräusche nicht abnahmen und Herrn Nachtheimer und seine Frau Marlies nicht schlafen ließen. „Ich habe überlegt, ob ich die Hecke nicht absäge, um das Tier zu vertreiben, aber in meinem Alter schaffe ich das nicht mehr.“ Deswegen sei auch der Garten inzwischen verwildert. Marlies und Karl Nachtheimer haben keine Kinder, die sich um den Garten kümmern könnten. Selbst schaffen es beide noch nicht einmal mehr, den Rasen zu mähen.

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Marlies Nachtheimer ist Privatière und muss sich öfter ausruhen.

„Eine Woche später hat das nächtliche Geschrammel aufgehört. Wir dachten schon, wir hätten es überstanden. Doch dann wurde es noch schlimmer! Jedes Mal, wenn wir in den Garten gehen, beobachtet und verfolgt und das Tier und schreit und grunzt! Es sitzt in den Zweigen und meckert uns aus.“

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Karl Nachtheimer und seine Frau sind verzweifelt. „Das ging so nicht weiter. Deswegen haben wir einen Kater aus dem Tierheim geholt. Wir haben gehofft, der Kater würde das Tier schon erlegen. Hört man ja, das Katzen die Hälfte der Vögel töten. Doch was soll ich sagen? Den hat das Tier genauso ausgemeckert. Der Kater traut sich nur noch selten in den Garten. Er ist innerhalb weniger Wochen zum Trinker geworden.“

Karl und Marlies Nachtheimer zeigen sich ratlos. „Irgendwann schmeiss ick dem Vogel ’ne Bierflasche an‘ Kopp. Dann fällt se vom Baum.“, meint Marlies.
Wir haben über das Problem der Nachtheimers mit Karsten Schnapsdrossel vom Verband der Schädlingsbekämpfung & Flurbereinigung gesprochen. Er meint, das Problem löse sich von alleine. „Nachtigallen ziehen zum Ende des Sommers zurück nach Afrika. Dann wird es wieder ruhig im Garten, weil auch die anderen Lärmmacher wie die Mönchsgrasmücke wegziehen. Im Grunde muss man diese Vögel als Laubenpieper betrachten: im Sommer besetzen sie die Nachbarschaft, singen im Vereinsheim laut grölend Lieder und im Winter sind die verschwunden.“ Er empfiehlt den Nachtheimers, einfach abzuwarten und den Garten im Sommer zu meiden. Mit ein bißchen Glück kehrt die Nachtigall im nächsten Jahr nicht zurück, wenn sie am Mittelmeer einem Vogelnetz zum Opfer fällt.

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