Die überwundene Pandemie hat einen Effekt: Ich bin öfter zu Hause, weil ich von zu Hause arbeiten kann. Seitdem höre ich, wie oft Vögel gegen die Fensterscheiben meines Hauses prallen. Erschreckend oft. Manche fliegen unbeorrt weiter, für andere kommt jede Hilfe zu spät.

Diese Blaumeise fand den Ende ihres Flugs am Schlafzimmerfenster des ersten Stocks. Einige Vögel bleiben benommen liegen. Ich sammle sie dann auf und platziere sie in einem Schuhkarton, bis sie wieder bei Sinnen sind. So erging es im September einem Rotkehlchen. Ist es moralisch fragwürdig, die Wehrlosigkeit auszunutzen und Fotos zu machen von verwirrten oder toten Vögeln?

Das Rotkehlchen erholte sich und ist immer noch im Garten zu sehen. Ich hoffe, es hat gelernt, das Wohnzimmerfenster zu meiden. Ich möchte es im Januar noch singen hören. Die Blaumeise dagegen wird nichts mehr lernen können. Dennoch setze ich ihr einen Epitaph hier: Gelb und Blau sind rar, scheiß auf die Kohlmeisen, das nächste Jahr gehört den Blauen!


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